Wirtschaftskriminalität in Zahlen: Wie viel Schaden entsteht durch Mitarbeiterdiebstahl? 2026

Mitarbeiterdiebstahl ist für Unternehmen ein sensibles Thema. Wenn Beschäftigte Waren, Bargeld, Betriebsmittel oder andere Unternehmenswerte entwenden, entstehen nicht nur unmittelbare Verluste. Hinzu kommen häufig Kosten für Kontrollen, Inventuren, Ermittlungen, Sicherheitsmaßnahmen und organisatorische Veränderungen.

Wie groß der Schaden tatsächlich ist, lässt sich für Deutschland allerdings nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Wirtschaftskriminalität nach strafrechtlichen Kategorien, während Branchenstudien wie die des EHI auch nicht entdeckte Verluste berücksichtigen. Gerade beim Mitarbeiterdiebstahl ist diese Unterscheidung wichtig.

Mitarbeiterdiebstahl 2026: Die wichtigsten Zahlen

Eine besonders aktuelle Datenquelle ist die im Juni 2026 veröffentlichte EHI-Studie zu Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel. Für das Jahr 2025 wurden insgesamt 5,11 Milliarden Euro Inventurdifferenzen ermittelt.

Davon entfielen nach Einschätzung der Handelsunternehmen:

Ursache Schaden 2025
Diebstahl durch Kundschaft 3,05 Mrd. Euro
Diebstahl durch eigene Beschäftigte 910 Mio. Euro
Lieferanten und Servicepersonal 370 Mio. Euro
Organisatorische Mängel 780 Mio. Euro
Gesamte Inventurdifferenzen 5,11 Mrd. Euro

Die 910 Millionen Euro für eigene Beschäftigte sind dabei besonders relevant. Sie beziehen sich auf den stationären deutschen Einzelhandel und dürfen nicht als Gesamtschaden durch Mitarbeiterdiebstahl in allen deutschen Branchen interpretiert werden. EHI Retail Institute

Die EHI-Untersuchung basiert auf 103 Unternehmen beziehungsweise Vertriebsschienen mit insgesamt 21.225 Verkaufsstellen und einem Umsatz von rund 116,3 Milliarden Euro. EHI Retail Institute

Rund 910 Millionen Euro Schaden durch eigene Beschäftigte

Nach den aktuellen EHI-Daten verursachten eigene Angestellte im Jahr 2025 Warenverluste von schätzungsweise 910 Millionen Euro im Einzelhandel.

Im Vergleich dazu entfielen 3,05 Milliarden Euro auf Kundendiebstähle und 370 Millionen Euro auf Lieferanten und Servicefirmen. Die Beschäftigten sind damit nicht die größte Verlustgruppe, stellen aber einen erheblichen Anteil der diebstahlbedingten Inventurdifferenzen dar. EHI Retail Institute

Wichtig ist außerdem, dass es sich um eine Schätzung auf Basis von Inventurdifferenzen handelt. Nicht jeder festgestellte Warenverlust kann eindeutig einer bestimmten Person oder einem konkreten Diebstahl zugeordnet werden.

Warum Mitarbeiterdiebstahl schwer zu erfassen ist

Eine klassische Diebstahlsanzeige bildet nur einen Teil des Problems ab. Unternehmen können beispielsweise bei einer Inventur feststellen, dass Waren fehlen, ohne zu wissen, wie der Verlust entstanden ist.

Mögliche Ursachen sind:

  • Diebstahl durch Kunden
  • Diebstahl durch Beschäftigte
  • Verluste bei Lieferanten
  • Fehler bei Buchungen
  • falsche Bestandsführung
  • Beschädigungen
  • organisatorische Fehler
  • nicht korrekt erfasste Warenbewegungen

Das EHI definiert Inventurdifferenzen entsprechend breiter. Sie umfassen Diebstähle durch Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Servicepersonal sowie organisatorische Mängel. EHI Retail Institute

Deshalb ist die Zahl von 910 Millionen Euro eine wichtige Branchenkennzahl, aber keine amtliche Statistik über sämtliche Mitarbeiterdiebstähle in Deutschland.

Wirtschaftskriminalität ist deutlich größer als Mitarbeiterdiebstahl

Mitarbeiterdiebstahl ist nur ein Teilbereich der Wirtschaftskriminalität. Das Bundeskriminalamt fasst darunter eine Vielzahl von Straftaten zusammen, die im Zusammenhang mit wirtschaftlicher Tätigkeit stehen und zu Vermögensgefährdungen oder Vermögensverlusten führen können. Bundeskriminalamt

Dazu zählen beispielsweise:

  • Betrug
  • Untreue
  • Korruption
  • Insolvenzdelikte
  • Wettbewerbsdelikte
  • Subventionsbetrug
  • Geldwäsche
  • bestimmte Formen von Daten- und Geheimnisdiebstahl

Die amtliche Statistik ist deshalb nicht mit der EHI-Schätzung zum Mitarbeiterdiebstahl vergleichbar.

Das BKA weist zugleich darauf hin, dass Wirtschaftskriminalität regelmäßig einen erheblichen Anteil des gesamten in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Schadensvolumens verursacht. Bundeskriminalamt

Wirtschaftskriminalität 2025: Aktuelle Schadensdaten

Für das Berichtsjahr 2025 stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik inzwischen detaillierte Daten zur Schadenshöhe bei vollendeten Fällen der Wirtschaftskriminalität bereit.

Der entsprechende Datensatz enthält die Zahl der Fälle sowie die Schadenssummen nach Delikten und Schadensklassen. Die Daten wurden im September 2026 veröffentlicht. GovData

Damit steht für 2026 eine deutlich aktuellere Datengrundlage zur Verfügung als noch im Vorjahr.

Allerdings lässt sich aus diesen Daten nicht einfach herausrechnen, welcher Anteil ausschließlich auf Beschäftigte als Täter entfällt. „Mitarbeiterdiebstahl“ ist keine einheitliche PKS-Kategorie.

Nicht jeder Mitarbeiterdiebstahl ist ein klassischer Diebstahl

Im Unternehmensumfeld können unterschiedliche Delikte eine Rolle spielen. Neben dem klassischen Diebstahl von Waren oder Bargeld können beispielsweise auch Untreue, Betrug oder die unberechtigte Weitergabe vertraulicher Informationen relevant sein.

Eine aktuelle KPMG-Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland zeigt, dass Betrug und Untreue bei den betroffenen Unternehmen besonders häufig genannt werden. 65 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von entsprechenden Vorfällen. Bei Daten- und Geheimnisdelikten werden zudem interne Beteiligungen häufig genannt. KPMG

Damit wird deutlich: Der wirtschaftliche Schaden durch Beschäftigte kann wesentlich größer sein als reine Warenentwendungen.

Mitarbeiter als Risikofaktor bei Wirtschaftskriminalität

Eine KPMG-Auswertung zeigt ebenfalls die Bedeutung des Unternehmensumfelds: In mehr als 60 Prozent der untersuchten Wirtschaftskriminalitätsfälle stammten die Täter aus dem direkten Unternehmensumfeld. KPMG

Das bedeutet nicht, dass Beschäftigte generell ein hohes Kriminalitätsrisiko darstellen. Vielmehr zeigt die Untersuchung, dass Personen mit internem Zugang zu Geld, Waren, IT-Systemen oder vertraulichen Informationen besondere Möglichkeiten haben können, wenn Kontrollmechanismen fehlen.

Gerade der vorhandene Vertrauensvorschuss kann bei bestimmten Delikten eine Rolle spielen.

Welche Schäden entstehen zusätzlich zum gestohlenen Wert?

Der eigentliche Waren- oder Geldverlust ist häufig nur ein Teil der wirtschaftlichen Belastung.

Unternehmen können zusätzlich Kosten haben für:

  1. Inventuren und Bestandskontrollen
  2. interne Untersuchungen
  3. externe Ermittlungen
  4. Rechtsberatung
  5. Versicherungsfälle
  6. technische Sicherungssysteme
  7. Videoüberwachung
  8. Warensicherung
  9. Mitarbeiterschulungen
  10. organisatorische Kontrollen

Im Einzelhandel summierten sich die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen laut EHI 2025 auf rund 1,7 Milliarden Euro. Berücksichtigt man zusätzlich interne Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Diebstahlrisiko, schätzt das EHI die gesamten dadurch verursachten Kosten auf 3,3 Milliarden Euro jährlich. EHI Retail Institute

Diese Summe betrifft allerdings das gesamte Diebstahlrisiko im Handel und nicht ausschließlich Mitarbeiterdiebstahl.

Mitarbeiterdiebstahl im Einzelhandel im Vergleich

Die aktuellen Zahlen zeigen, wie sich die einzelnen Verlustquellen unterscheiden:

Verlustquelle Geschätzter Schaden 2025
Kunden 3,05 Mrd. Euro
Eigene Beschäftigte 910 Mio. Euro
Lieferanten und Servicekräfte 370 Mio. Euro
Organisatorische Mängel 780 Mio. Euro
Gesamte Inventurdifferenzen 5,11 Mrd. Euro

Die Werte machen deutlich, dass Mitarbeiterdiebstahl zwar einen erheblichen Schaden verursacht, aber hinter dem Kundendiebstahl liegt. EHI Retail Institute

Wie viel kostet Mitarbeiterdiebstahl pro Unternehmen?

Eine pauschale Durchschnittszahl für Deutschland wäre irreführend. Ein kleiner Einzelhändler mit wenigen Beschäftigten ist nicht mit einer internationalen Handelsgruppe vergleichbar.

Auch die 910 Millionen Euro des EHI lassen sich nicht einfach durch die Zahl der Unternehmen teilen. Die Studie basiert auf teilnehmenden Unternehmen und Verkaufsstellen und verwendet Schätzungen für die Branche.

Sinnvoller ist daher die Betrachtung des Schadens im Verhältnis zum Umsatz oder zur Verkaufsfläche. Unternehmen können zusätzlich ihre eigenen Inventurdifferenzen analysieren und prüfen, ob bestimmte Filialen, Warengruppen oder Prozesse auffällig sind.

Warum bleibt ein Teil der Verluste unentdeckt?

Das EHI schätzt für 2025, dass jährlich rund 24,8 Millionen Ladendiebstähle im Handel unentdeckt bleiben. Mehr als 98 Prozent der Fälle würden demnach nicht erkannt und daher auch nicht angezeigt. Diese Zahl betrifft allerdings Ladendiebstähle insgesamt und nicht Mitarbeiterdiebstahl. EHI Retail Institute

Bei Beschäftigten kann die Aufdeckung ebenfalls schwierig sein. Wer Zugriff auf Warenbestände, Kassen, Lager oder interne Systeme besitzt, kann unter Umständen Verluste verursachen, die zunächst wie normale Inventurdifferenzen aussehen.

Daher sind saubere Prozesse und nachvollziehbare Warenbewegungen für Unternehmen besonders wichtig.

Digitale Wirtschaftskriminalität erweitert das Problem

2026 beschränkt sich Wirtschaftskriminalität längst nicht mehr auf physische Waren oder Bargeld. Daten, Zugangsdaten, Geschäftsgeheimnisse und digitale Systeme sind ebenfalls wertvolle Unternehmenswerte.

Die aktuelle KPMG-Studie zeigt, dass 51 Prozent der befragten Unternehmen von Vorfällen im IT-Bereich berichten. 73 Prozent bewerten das Risiko von Datendiebstahl und Datenmissbrauch als hoch oder sehr hoch. KPMG

Auch Beschäftigte können hierbei eine Rolle spielen – beispielsweise durch vorsätzliche Handlungen, aber auch durch Fehler oder Unachtsamkeit.

Mitarbeiterdiebstahl verhindern: Welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Unternehmen können das Risiko nicht vollständig ausschließen. Eine Kombination aus organisatorischen, technischen und personellen Maßnahmen kann jedoch helfen.

Dazu gehören:

  • klare Zuständigkeiten
  • regelmäßige Inventuren
  • Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Vorgängen
  • nachvollziehbare Warenbewegungen
  • Zugriffsbeschränkungen auf sensible Systeme
  • regelmäßige Kontrolle von Kassen und Lagerbeständen
  • interne Meldesysteme
  • Schulungen
  • konsequente Dokumentation
  • risikoorientierte Kontrollen

Dabei sollte es nicht darum gehen, sämtliche Beschäftigten unter Generalverdacht zu stellen. Effektive Kontrollen sollten nachvollziehbar, verhältnismäßig und auf konkrete Risiken ausgerichtet sein.

Fazit: Wie hoch ist der Schaden durch Mitarbeiterdiebstahl 2026?

Die aktuellste verfügbare EHI-Untersuchung liefert eine wichtige Größenordnung: Im deutschen Einzelhandel entstand 2025 durch Verluste, die den eigenen Angestellten zugerechnet werden, ein geschätzter Schaden von rund 910 Millionen Euro. EHI Retail Institute

Für ganz Deutschland und sämtliche Branchen existiert dagegen keine einzelne belastbare Zahl zum Mitarbeiterdiebstahl. Die amtliche Wirtschaftskriminalitätsstatistik erfasst verschiedene Delikte, aber nicht eine übergreifende Kategorie „Mitarbeiterdiebstahl“. GovData

Die Zahlen zeigen dennoch, dass interne Risiken für Unternehmen relevant sind. Neben gestohlenen Waren können Betrug, Untreue, Datenmissbrauch und der Verlust von Geschäftsgeheimnissen erhebliche Folgekosten verursachen. Die Wirtschaftskriminalität 2026 ist daher nicht nur eine Frage des klassischen Diebstahls, sondern zunehmend auch eine Frage von internen Kontrollen, Datenzugriffen und digitaler Sicherheit.

Quellen