IT-Forensik & Spurensicherung Kosten Tabelle: Aufwand für Handys & Laptops 2026

Ob Verdacht auf Datendiebstahl, ein familienrechtlicher Streitfall oder eine interne Untersuchung im Unternehmen: Digitale Spuren auf Smartphones und Laptops gewinnen in fast jedem Verfahren an Bedeutung. Damit diese Spuren vor Gericht überhaupt verwertbar sind, braucht es eine forensisch saubere Sicherung und Auswertung – und das hat seinen Preis. Dieser Beitrag ordnet die typischen Kostenbestandteile der IT-Forensik 2026 ein und zeigt anhand einer Tabelle, mit welchem Aufwand bei Handys und Laptops zu rechnen ist.

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um eine Steuer- oder Rechtsberatung. Der Artikel wurde mit großer Sorgfalt recherchiert. Dennoch sind alle Angaben, insbesondere zu Kosten oder Preisen ohne Gewähr und können sich jederzeit ändern. Der Artikel wurde am 12.09.2026 veröffentlicht und zuletzt am 12.09.2026 editiert.

Was gehört zur IT-forensischen Untersuchung?

Eine forensische Untersuchung läuft üblicherweise in mehreren Phasen ab, die jeweils Zeit und damit Kosten verursachen:

  • Sicherstellung/Erstaufnahme: Gerät entgegennehmen, Zustand dokumentieren, ggf. mit Faraday-Tasche vor Fernzugriff schützen
  • Forensische Sicherung (Imaging): bitgenaue Kopie des Datenträgers erstellen, damit das Original unverändert bleibt
  • Auswertung/Analyse: Wiederherstellung gelöschter Daten, Auswertung von Chats, Standortdaten, Zeitstempeln, Metadaten
  • Dokumentation der Beweiskette (Chain of Custody): lückenlose Protokollierung, wer wann Zugriff auf das Gerät hatte
  • Berichterstellung: schriftlicher, ggf. gerichtsfester Bericht oder Gutachten
  • Optional: Gutachterliche Aussage, falls ein Gericht die mündliche Erläuterung verlangt

Diese Struktur folgt anerkannten Standards wie ISO/IEC 27037 für die Identifizierung, Sammlung und Sicherung digitaler Beweismittel.

Beispieltabelle: Aufwand und Kosten 2026

Leistung Typischer Zeitaufwand Kostenrahmen Anmerkung
Erstberatung/Fallaufnahme 0,5–1 Stunde oft pauschal 50–150 € Klärung von Fragestellung, Gerätetyp, Zielsetzung
Forensische Sicherung Smartphone 1–3 Stunden ca. 150–500 € Abhängig von Gerätesperre, Verschlüsselung, Hersteller
Forensische Sicherung Laptop/PC 1–4 Stunden ca. 150–600 € Abhängig von Speichergröße und Verschlüsselung (z. B. BitLocker)
Datenwiederherstellung gelöschter Inhalte 2–8 Stunden ca. 300–1.200 € Stark fallabhängig, bei physischen Defekten deutlich mehr
Vollständige Auswertung/Analyse 4–20 Stunden ca. 600–3.000 € Chats, Standortverlauf, App-Daten, Zeitachsen
Bericht/Gutachten (gerichtsfest) 2–10 Stunden ca. 300–1.500 € Umfang hängt von Beweisanforderungen ab
Stundensatz freier IT-Forensiker ca. 90–180 € pro Stunde Je nach Qualifikation und Spezialisierung
Stundensatz gerichtlich bestellter Sachverständiger gesetzlich vorgegeben Siehe JVEG-Sätze unten

Diese Werte sind Orientierungswerte aus der Praxis privater Anbieter. Bei komplexen Fällen mit mehreren Geräten, beschädigter Hardware oder internationalen Cloud-Diensten können die Kosten deutlich höher liegen.

Gesetzliche Stundensätze bei gerichtlich bestellten Sachverständigen

Wird ein IT-Sachverständiger von einem Gericht bestellt, richtet sich seine Vergütung nicht nach freier Marktpreisbildung, sondern nach dem Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG). Die Anlage 1 zum JVEG legt für IT-nahe Sachgebiete feste Stundensätze fest: Kommunikations- und Informationstechnik wird mit 125 Euro pro Stunde vergütet, Informatik mit 136 Euro pro Stunde, und auch die für die IT-Forensik besonders relevante Kategorie Datenermittlung und -aufbereitung liegt bei 136 Euro pro Stunde. Diese Sätze gelten unabhängig vom individuellen Honorar, das ein privater Dienstleister außergerichtlich verlangen würde, und bilden damit eine nützliche Orientierungsgröße für die „obere Vergleichsmarke“ am Markt.

Warum die Kosten so stark schwanken

  • Verschlüsselung und Gerätesperre: Ein aktuelles iPhone mit unbekanntem Code verursacht deutlich mehr Aufwand als ein entsperrtes Android-Gerät.
  • Datenvolumen: Größere Speicher bedeuten längere Imaging- und Analysezeiten.
  • Beschädigte Hardware: Wasserschäden oder physische Defekte erfordern oft Chip-Off-Verfahren im Labor, was den Aufwand vervielfacht.
  • Gerichtsfestigkeit: Eine private, informelle Auswertung ist günstiger als ein Gutachten, das späteren Angriffen auf Beweisverwertbarkeit standhalten muss.
  • Cloud-Anteile: Wenn relevante Daten nicht auf dem Gerät, sondern bei einem Anbieter liegen, kommen rechtliche Anfragen und zusätzlicher Koordinationsaufwand hinzu.
  • Anzahl der Geräte: Bei mehreren Smartphones, Laptops oder externen Datenträgern steigen Sicherung und Analyse entsprechend.

Rechtlicher Rahmen: Nicht jede Auswertung ist ein „Gutachten“

Ein Punkt, der bei der Kostenerstattung häufig übersehen wird: Nicht jede technische Auswertung beschlagnahmter Datenträger gilt automatisch als Sachverständigengutachten im Sinne der Gerichtskostenvorschriften. Nach einer Entscheidung des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts können die Kosten der Auswertung beschlagnahmter Datenträger durch einen externen Dienstleister nicht als Sachverständigenauslagen angesetzt werden, wenn die Leistung lediglich eine technische Dienstleistung zur Erleichterung der Aktendurchsicht darstellt und kein eigenständiges Gutachten. Das ist vor allem für die Frage relevant, wer im Ermittlungsverfahren welche Kosten am Ende tragen muss.

Praxistipps für Auftraggeber

  • Fordern Sie vorab eine klare Aufschlüsselung nach Sicherung, Analyse und Berichterstellung.
  • Klären Sie, ob eine gerichtsfeste Dokumentation (Chain of Custody) inklusive Hash-Werten Teil des Angebots ist.
  • Fragen Sie nach, ob Zusatzkosten für Verschlüsselung, Chip-Off-Verfahren oder Cloud-Anfragen separat berechnet werden.
  • Bei Verfahren vor Gericht: Prüfen Sie, ob eine private Auswertung überhaupt als erstattungsfähige Position anerkannt wird, oder ob ein förmliches Gutachten notwendig ist.
  • Achten Sie auf Datenschutzkonformität, insbesondere wenn Daten Dritter (z. B. Chatpartner) mit ausgewertet werden.

Fazit

Die Kosten für IT-Forensik bei Handys und Laptops bewegen sich 2026 je nach Aufwand zwischen wenigen Hundert und mehreren Tausend Euro. Entscheidend sind Gerätezustand, Datenvolumen, Verschlüsselung und die Frage, ob das Ergebnis gerichtsfest sein muss. Wer vorab eine transparente Aufschlüsselung von Sicherung, Analyse und Berichterstellung einfordert, behält die Kosten im Griff und vermeidet Streit über die spätere Erstattungsfähigkeit.


Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Konkrete Angebote und Vertragsbedingungen sollten im Einzelfall geprüft werden.