Ladendiebstahl bleibt für den deutschen Einzelhandel auch 2026 ein erhebliches wirtschaftliches Problem. Die aktuell veröffentlichte EHI-Studie zu Inventurdifferenzen zeigt für das Jahr 2025 erneut steigende Verluste. Insgesamt summierten sich die Inventurdifferenzen im deutschen stationären Einzelhandel auf 5,11 Milliarden Euro.
Dabei handelt es sich allerdings nicht ausschließlich um Ladendiebstahl. Inventurdifferenzen umfassen neben Diebstählen durch Kunden auch Verluste durch Mitarbeiter, Lieferanten und Servicepersonal sowie organisatorische Fehler. EHI Retail Institute
Ladendiebstahl Statistik 2026: Die wichtigsten Zahlen
Die im Juni 2026 veröffentlichte EHI-Studie basiert auf den Daten des Jahres 2025. Insgesamt wurden 103 Unternehmen beziehungsweise Vertriebsschienen mit 21.225 Verkaufsstellen berücksichtigt. Zusammen repräsentierten sie einen Umsatz von rund 116,3 Milliarden Euro. EHI Retail Institute
Die wichtigsten Werte im Überblick:
| Kennzahl | Jahr 2025 |
|---|---|
| Inventurdifferenzen insgesamt | 5,11 Mrd. € |
| Diebstahl durch Kunden | 3,05 Mrd. € |
| Verluste durch eigene Mitarbeiter | 910 Mio. € |
| Lieferanten und Servicepersonal | 370 Mio. € |
| Organisatorische Mängel | 780 Mio. € |
| Kosten für Präventionsmaßnahmen | 1,7 Mrd. € |
| Gesamtkosten inklusive interner Aktivitäten | ca. 3,3 Mrd. € |
Die gesamten Inventurverluste stiegen gegenüber 2024 von 4,95 auf 5,11 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von etwa 3,2 Prozent. EHI Retail Institute
Wie hoch sind die Verluste durch Ladendiebstahl?
Der mit Abstand größte Anteil der diebstahlbedingten Verluste entfällt auf Kunden. Für 2025 schätzt das EHI den dadurch verursachten Warenverlust auf 3,05 Milliarden Euro.
Zum Vergleich: 2024 waren es noch rund 2,95 Milliarden Euro. Damit stieg der geschätzte Schaden innerhalb eines Jahres um etwa 3,4 Prozent. EHI Retail Institute
Die Zahl ist allerdings eine Schätzung der Handelsunternehmen und keine Summe aus polizeilich registrierten Fällen. Ein großer Teil der Ladendiebstähle wird überhaupt nicht entdeckt.
5,11 Milliarden Euro Inventurverluste
Die 5,11 Milliarden Euro sind eine zentrale Kennzahl der aktuellen Ladendiebstahl Statistik 2026. Allerdings sollte sie nicht mit dem reinen Schaden durch Ladendiebstahl gleichgesetzt werden.
Das EHI definiert Inventurdifferenzen als Verluste durch:
- Kundendiebstahl
- Mitarbeiterdiebstahl
- Diebstahl durch Lieferanten und Servicepersonal
- organisatorische Fehler
- Erfassungs- und Buchungsfehler
- Bewertungsfehler
Von den 5,11 Milliarden Euro entfielen 4,33 Milliarden Euro auf die verschiedenen Formen des Diebstahls. Die verbleibenden 780 Millionen Euro wurden organisatorischen Mängeln zugerechnet. EHI Retail Institute
Entwicklung der Inventurverluste
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend:
| Jahr | Inventurdifferenzen |
|---|---|
| 2023 | ca. 4,80 Mrd. € |
| 2024 | ca. 4,95 Mrd. € |
| 2025 | ca. 5,11 Mrd. € |
Die EHI-Studie für 2024 hatte bereits einen Anstieg von 4,80 auf 4,95 Milliarden Euro festgestellt. Gleichzeitig nahmen die darin enthaltenen Ladendiebstähle um knapp 5 Prozent zu. EHI Retail Institute
Damit setzte sich 2025 die Entwicklung fort.
Wie viele Ladendiebstähle bleiben unentdeckt?
Eine besonders auffällige Zahl der aktuellen Studie betrifft die nicht entdeckten Ladendiebstähle.
Aus dem Verhältnis zwischen den angezeigten Diebstählen und den durch Inventuren festgestellten Verlusten leitet das EHI für 2025 rund 24,8 Millionen unentdeckte Ladendiebstähle ab. Der durchschnittliche Warenwert eines solchen unentdeckten Diebstahls wird mit etwa 123 Euro angegeben. EHI Retail Institute
Nach dieser Schätzung werden mehr als 98 Prozent der Ladendiebstähle nicht erkannt und deshalb auch nicht angezeigt. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Hochrechnung beziehungsweise Schätzung und nicht um eine vollständige Zählung tatsächlich begangener Straftaten. EHI Retail Institute
Ladendiebstahl pro Verkaufstag
Teilt man die vom EHI geschätzten 24,8 Millionen unentdeckten Ladendiebstähle grob auf ein Jahr beziehungsweise die Verkaufstage des Handels auf, ergibt sich eine Größenordnung von vielen zehntausend Fällen pro Verkaufstag.
Die Zahl sollte jedoch nicht als exakte tägliche Zählung verstanden werden. Sie basiert auf einer Hochrechnung aus Inventurdifferenzen und angezeigten Diebstählen.
Bereits für 2023 hatte das EHI auf Basis seiner damaligen Berechnung von rund 24 Millionen unentdeckten Ladendiebstählen gesprochen. Damals wurde daraus die bekannte Größenordnung von etwa 100.000 unentdeckten Fällen je Verkaufstag abgeleitet. EHI Retail Institute
Was kostet Mitarbeiterdiebstahl?
Auch Mitarbeiter tragen zu den Inventurverlusten bei. Für 2025 werden den eigenen Beschäftigten 910 Millionen Euro an Verlusten zugerechnet.
Damit liegt dieser Wert deutlich unter dem geschätzten Schaden durch Kundendiebstahl von 3,05 Milliarden Euro, bleibt aber dennoch erheblich. EHI Retail Institute
Wichtig ist auch hier die Interpretation: Es handelt sich um eine Einschätzung der teilnehmenden Handelsunternehmen innerhalb der EHI-Erhebung. Nicht jeder Inventurverlust lässt sich eindeutig einem konkreten Mitarbeiter oder einer bestimmten Handlung zuordnen.
Verluste durch Lieferanten und Servicepersonal
Weitere 370 Millionen Euro der Inventurdifferenzen werden Lieferanten und Servicepersonal zugerechnet.
Damit ergibt sich folgende Verteilung der geschätzten diebstahlbedingten Verluste:
| Verursacher | Schaden 2025 |
|---|---|
| Kunden | 3,05 Mrd. € |
| Eigene Mitarbeiter | 910 Mio. € |
| Lieferanten und Servicepersonal | 370 Mio. € |
| Diebstahl insgesamt | 4,33 Mrd. € |
Die Differenz zwischen 4,33 Milliarden Euro Diebstahlschäden und den gesamten 5,11 Milliarden Euro Inventurdifferenzen entfällt auf organisatorische Mängel. EHI Retail Institute
Welche Kosten entstehen durch Ladendiebstahl zusätzlich?
Für Händler endet der finanzielle Schaden nicht mit dem Wert der gestohlenen Ware. Unternehmen investieren erhebliche Summen in Prävention und Sicherheit.
Im Jahr 2025 gab der Handel laut EHI rund 1,7 Milliarden Euro für Präventionsmaßnahmen aus. Dazu gehören unter anderem Warensicherung, Kameraüberwachung, Detektiveinsätze, Testkäufe und Schulungen. EHI Retail Institute
Werden darüber hinaus interne Aktivitäten berücksichtigt, die wegen des Diebstahlrisikos erforderlich sind, kommen laut EHI weitere rund 1,6 Milliarden Euro hinzu.
Damit ergeben sich insgesamt geschätzte 3,3 Milliarden Euro an Kosten für Prävention und interne Maßnahmen. EHI Retail Institute
Organisierter Ladendiebstahl verursacht hohe Schäden
Ein weiterer wichtiger Aspekt der aktuellen Statistik ist der organisierte beziehungsweise gewerbsmäßige Ladendiebstahl.
Das EHI schätzt, dass organisierte Tätergruppen für rund 1 Milliarde Euro des Schadens durch Ladendiebstahl verantwortlich sind. Das entspricht ungefähr einem Drittel des gesamten durch Kundendiebstahl verursachten Schadens. EHI Retail Institute
Dabei können mehrere Personen arbeitsteilig vorgehen. Für Händler ist diese Form des Diebstahls besonders problematisch, weil gezielt bestimmte Warengruppen oder Verkaufsstellen ausgewählt werden können.
Welche Waren werden besonders häufig gestohlen?
Welche Produkte besonders häufig gestohlen werden, kann sich je nach Branche, Standort und Verkaufsformat unterscheiden. Besonders gefährdet können Waren sein, die einen relativ hohen Wert besitzen, leicht transportiert werden können und gleichzeitig eine hohe Nachfrage haben.
Die Sicherheitsmaßnahmen im Handel werden deshalb zunehmend auf einzelne Produkte und Warengruppen ausgerichtet. Dazu gehören beispielsweise elektronische Artikelsicherung, verschließbare Verkaufssysteme und digitale Auswertungen von Warenbeständen.
Inventurdifferenzen im Verhältnis zum Umsatz
Eine interessante Kennzahl ist die Inventurdifferenz im Verhältnis zum Umsatz.
Die EHI-Studie für 2024 ermittelte bei den teilnehmenden Unternehmen durchschnittliche Inventurdifferenzen von 0,64 Prozent des Nettoumsatzes, wenn die Verluste zu Einkaufspreisen bewertet wurden. Zu Verkaufspreisen entsprach die durchschnittliche Inventurdifferenz etwa 1 Prozent des Bruttoumsatzes. EHI Retail Institute
Für Unternehmen ist diese relative Betrachtung oft aussagekräftiger als die absolute Schadenssumme. Ein Handelsunternehmen mit mehreren Milliarden Euro Umsatz kann beispielsweise einen höheren absoluten Verlust aufweisen, aber prozentual eine bessere Quote als ein kleinerer Händler.
Unterschied zwischen Polizeistatistik und Inventurstatistik
Bei der Bewertung der Ladendiebstahl Statistik 2026 sollte man zwei unterschiedliche Datenquellen auseinanderhalten.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten. Inventurstudien versuchen dagegen, auch nicht entdeckte Warenverluste abzuschätzen.
Das erklärt, warum die Zahl der polizeilich registrierten Ladendiebstähle wesentlich niedriger sein kann als die vom EHI geschätzte Zahl tatsächlich stattfindender beziehungsweise unentdeckter Diebstähle.
Bereits 2023 zeigte sich diese Differenz deutlich: Das EHI verwies auf rund 24 Millionen unentdeckte Ladendiebstähle, während die Polizei 426.096 Fälle registrierte. EHI Retail Institute
Was bedeutet die Statistik für Verbraucher?
Die Verluste durch Ladendiebstahl wirken sich letztlich auch auf die Wirtschaftlichkeit von Geschäften aus. Händler müssen die Kosten für Warenverluste und Prävention in ihrer Kalkulation berücksichtigen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Preisanstieg direkt auf Ladendiebstahl zurückzuführen wäre. Personal, Energie, Mieten, Logistik, Einkaufspreise und viele weitere Faktoren beeinflussen die Preise ebenfalls.
Das EHI weist allerdings darauf hin, dass der Diebstahl im Handel einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursacht und Sicherheitsmaßnahmen entsprechende Kosten erzeugen. EHI Retail Institute
Ladendiebstahl Statistik 2026 im Überblick
Die wichtigsten Zahlen der aktuellen EHI-Erhebung lassen sich so zusammenfassen:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Inventurverluste 2025 | 5,11 Mrd. € |
| Davon Diebstahl insgesamt | 4,33 Mrd. € |
| Kundendiebstahl | 3,05 Mrd. € |
| Mitarbeiterdiebstahl | 910 Mio. € |
| Lieferanten/Servicepersonal | 370 Mio. € |
| Organisatorische Mängel | 780 Mio. € |
| Geschätzte unentdeckte Ladendiebstähle | 24,8 Mio. |
| Präventionsmaßnahmen | 1,7 Mrd. € |
| Prävention plus interne Aktivitäten | ca. 3,3 Mrd. € |
Alle Werte beziehen sich auf die EHI-Erhebung zum Jahr 2025 und wurden 2026 veröffentlicht. EHI Retail Institute
Fazit: Ladendiebstahl bleibt ein Milliardenproblem
Die Ladendiebstahl Statistik 2026 zeigt erneut die Größenordnung des Problems im deutschen Einzelhandel. Für 2025 ermittelte das EHI insgesamt 5,11 Milliarden Euro Inventurdifferenzen. Davon entfielen rund 3,05 Milliarden Euro auf Kundendiebstahl. Weitere 910 Millionen Euro wurden eigenen Beschäftigten und 370 Millionen Euro Lieferanten und Servicepersonal zugerechnet. EHI Retail Institute
Besonders bemerkenswert ist die große Zahl nicht entdeckter Fälle. Das EHI schätzt, dass 2025 rund 24,8 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt blieben.
Gleichzeitig investieren Händler erhebliche Summen in Prävention: 2025 waren es rund 1,7 Milliarden Euro für Sicherheitsmaßnahmen. Werden interne Aktivitäten hinzugerechnet, kommt das EHI auf etwa 3,3 Milliarden Euro jährliche Gesamtkosten im Zusammenhang mit dem Diebstahlrisiko. EHI Retail Institute
Damit bleibt Ladendiebstahl auch 2026 ein wichtiger Kostenfaktor für den Einzelhandel. Die Zahlen zeigen allerdings ebenso, dass Inventurverluste nicht automatisch mit Ladendiebstahl gleichzusetzen sind. Für eine seriöse Statistik müssen Kundendiebstahl, Mitarbeiterverluste, Lieferantenverluste und organisatorische Fehler getrennt betrachtet werden.